Was zeichnet Deutschland aus?

Die Bundesrepublik Deutschland – ein starker Bund von Individualisten

Die Geschichte von Deutschland
Die Bundesrepublik Deutschland geht auf eine Freiheitsbewegung gegen den deutschen Adel zurück, die 1832 im Hambacher Schloss bei Mannheim ein sechstätiges Protestfest für eine deutsche Republik abhält. Dieses Protestfest ebnet den Weg für die erste Nationalversammlung 1848, die letztlich zur Gründung des Deutschen Reiches 1871 führt. Im Jahr 1918 betont die damals gegründete Weimarer Republik erneut den republikanischen Gedanken, doch findet sie 1933 durch die nationalsozialistische Diktatur unter Hitler ihr Ende. Der von Nazideutschland begonnene Zweite Weltkrieg endet 1945 mit der Niederlage Deutschlands. Vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Bundesrepublik Deutschland 1949 als geteiltes Land gegründet. Erst durch die Deutsche Einheit 1990 findet die Bundesrepublik als wiedervereinigtes Deutschland ihre heutige Gestalt. Seit 2001 wird die aktuelle Währung, der Euro, in Deutschland genutzt.

Deutschlands Besonderheiten
Mit etwa 83 Millionen Einwohnern ist Deutschland die stärkste Volkswirtschaft in Europa und eine der größten der Welt. Die wirtschaftliche Kraft beruht dabei maßgeblich auf Handel, der Entwicklung von Technik und einer offenen Wirtschaft, die überwiegend aus klein- und mittelständigen Unternehmen, häufig Familienbetrieben, geführt wird.

Diese kleinen und mittleren Betriebe bilden über 99% der deutschen Unternehmen und sind dezentral in kleinen Ortschaften über die Bundesrepublik verteilt. Diese dezentrale Struktur ist „typisch deutsch“ und geht auf die föderale Entstehungsgeschichte Deutschlands zurück. Der Föderalismus ist eine wichtige kulturelle und politische Tradition, die dazu geführt hat, dass die Bundesrepublik Deutschland ein Bund aus 16 mehr oder weniger unabhängigen Länder ist, die gemeinsam die Politik und Gesetze der Bundesrepublik gestalten.

Dementsprechend zeichnet sich die dezentrale Struktur der Bundesrepublik dadurch aus, dass Deutschland über 17 unabhängige Parlamente verfügt: 16 Landesparlamente und einem Bundesparlament, den Bundestag. Ebenso gibt es 17 unabhängige Wirtschaftsminister, die allerdings in den Bundesländern teils unterschiedliche Titel tragen.

Darüber hinaus verursacht diese föderale Tradition, dass die Mehrheit der Bevölkerung, etwa 70%, in Klein- und Mittelstädten leben, während es nur vier Städte mit mehr als 1 Million Einwohner gibt:
• Berlin: etwa 3,8 Millionen
• Hamburg: etwa 1,8 Million
• München: etwa 1,5 Million
• Köln: etwa 1 Million

Die „deutsche“ Kommunikations- und Organisationskultur
Die föderale Tradition zeigt sich auch in der Kommunikations- und Organisationskultur der deutschen Gesellschaft. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass man in Deutschland organisatorisch flache Hierarchien mit möglichst vielen autonomen Entscheidern bevorzugt. Diese Art der Organisation setzt dabei eine hohe Selbstverpflichtung gegenüber „der Sache“ bzw. den eigenen Aufgaben voraus und beinhaltet eine ausgeprägte „Schuldkultur“, da man „für sich und seine Sachen selbst verantwortlich“ ist. Der Fokus in der Gesellschaft liegt also auf dem Individuum. Um seinen Aufgaben nachzukommen, organisiert man sich in Deutschland sequentiell, das heißt, dass „eine Sache nach der anderen“ erledigt wird, während klar zwischen dem Beruflichen und dem Privaten getrennt wird.

„Typisch deutsch“ ist ebenso die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, die einen Multilateralismus in der Welt anstrebt, also die internationale Zusammenarbeit von unabhängigen möglichst gleichwertigen Akteuren.

Hinweis: Die Kommunikations- und Organisationskultur einer Gesellschaft entwickelt sich kontinuierlich. Individuen in einer Kultur verfügen dabei selbstverständlich über individuelle Persönlichkeitsmerkmale und weichen somit grundsätzlich mehr oder weniger stark vom „Gesamtdurchschnitt“ der Großgruppe ab.